Monatsarchiv für Februar 2012

Ein neues Zuhause und ein neuer alter Name

9. Februar 2012

Der Unternehmer Reinhold Würth hat sich über die Jahre als Kunstsammler einen Namen gemacht. Seit Ende Januar präsentiert er nun der Öffentlichkeit eines der teuersten Kunstwerke Deutschlands: Die Schutzmantelmadonna von Hans Holbein dem Jüngeren ist der Höhepunkt der Dauerausstellung “Alte Meister” in der Johanniterkirche in Schwäbisch Hall.

Die "Madonna des Bürgermeisters Jacob Meyer zum Hasen" hat in Schwäbisch Hall ein neues Zuhause gefunden (Foto: Philipp Schönborn)

Vor knapp 500 Jahren schuf Hans Holbein der Jüngere (1497 – 1543) in Basel sein Meisterwerk, die “Madonna des Bürgermeisters Jacob Meyer zum Hasen“. Seinen Namen erhielt das Gemälde von seinem Auftraggeber, dem damaligen Bürgermeister der Stadt Basel. Das Bild zeigt ihn mit seiner Familie knieend zu Füßen Marias, die mit dem Jesuskind auf dem Arm schützend ihren Mantel ausbreitet. Diese Form der Mariendarstellung weist Holbeins Madonna als sogenannte “Schutzmantelmadonna” aus. Es wird vermutet, dass sich Bürgermeister Meyer mit diesem Bild gegen die Reformation stellen und ein katholisches Glaubensbekenntnis ablegen wollte.
Nach dem Tod des Bürgermeisters blieb das Bild zunächst im Besitz der Familie seiner Tochter, wechselte jedoch in der Folgezeit mehrmals seine Besitzer. Mitte des 19. Jahrhunderts gelangte es dann nach Darmstadt, wurde im 2. Weltkrieg nach Schlesien ausgelagert und so vor dem Brand des Darmstädter Schlosses 1944 bewahrt.

Der neue Platz der Schutzmantelmadonna in der Johanniterkirche in Schwäbisch Hall (Foto: andi Schmidt)

Das Ölgemälde war früh schon sehr beliebt, so dass bald eine Kopie der Madonna angefertigt wurde, die dem Maler Bartholomäus Sarburgh zugeschrieben wird. Im 19. Jahrhundert kam es schließlich zu einem Streit, welches der beiden Bilder das echte sei. Das Original war inzwischen im Besitz der hessischen Großherzöge und befand sich im Darmstädter Schloss, während die Fälschung als Holbein’sche Madonna in die Dresdner Gemäldegalerie gelangt war. Das Dresdner Gemälde wurde von den Zeitgenossen meist als das schönere und vollendetere angesehen. Die durch den Kopisten vorgenommenen Änderungen schienen dem Zeitgeschmack des 19. Jahrhunderts mehr zu entsprechen als Holbeins Original. Kunsthistoriker kamen nach eingehenden Untersuchungen, die später durch Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen bestätigt wurden, zu dem Schluss, dass die Darmstädter Madonna das Original von Holbein sei.

Das neue Zuhause der Madonna, die Johanniterkirche, hat ebenfalls eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Der Kirchenbau stammt aus dem 12. Jahrhundert, wurde aber seit der Säkularisation als Profanbau genutzt. So wurde die Johanniterhalle, wie sie lange Zeit genannt wurde, im November 2008 als Dependendance der Kunsthalle Würth neu eröffnet. Nach umfangreicher denkmalgerechter Sanierung ist sie zum idealen Umfeld von Reinhold Würths Sammlung Alter Meister, die unter anderem Werke Lucas Cranach d. Ä., Tilman Riemenschneider oder Hans Holbein d. Ä. umfasst,  geworden. Mit dem Umzug der Schutzmantelmadonna wurde die Johanniterhalle wieder in Johanniterkirche umbenannt, womit ihrer ursprünglichen Funktion als Kirche Rechnung getragen werden soll.

Die Ausstellung “Alte Meister in der Sammlung Würth” in der Johanniterkirche in Schwäbisch Hall kann von Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt besucht werden. Führungen für alle Altersgruppen sind buchbar unter Telefon 07 91/946 72-14 oder johanniterkirche@wuerth.com.